Prof. Dr. Bea Lundt

Aktivitäten in Ghana im Oktober/ November 2016

 

Das Land Ghana vor den Wahlen zum Parlament im Dezember 2016: Die Aufforderung, diese Wahlen friedlich zu vollziehen, ist ein fester Bestandteil vielfältiger Plakate, die eigentlich der Werbung für Konsumartikel dienen. Tatsächlich ist Ghana seit vielen Jahren eine stabile Demokratie.

 

 

 

 

Ghana im Jahre 2016: das ist auch ein politisches Jubiläum. Vor 50 Jahren wurde der erste Präsident des unabhängigen Ghana, Kwame Nkrumah, durch einen Militärputsch gestürzt. Die Kontroversen um diese charismatische Gestalt changierten lange zwischen Extrempolen: er war ein Held oder er war ein Tyrann und Diktator. Doch haben sich im Laufe der Jahre die Positionen angenähert. Nkrumah ist heute vor allem ein stabiler „Erinnerungsort“, wie sein Mausoleum in der Hauptstadt Accra zeigt.

 

 

 

 

Soeben erschienen ist im Herbst 2016 ein Sammelband mit Beiträgen von Wissenschaftler*innen aus Ghana, den USA, Deutschland und Österreich, der den erreichten Stand der Diskussion um diese ambivalente Person repräsentiert.

 

 

Den Klappentext des Bandes finden Sie auf der homepage der Ranke-Gesellschaft unter: http://www.steiner-verlag.de/programm/fachbuch/geschichte/mittelalter-und-neuzeit/reihen/view/titel/61031.html

 

 

Kooperationsreise mit Prof. Dr. Martin Lücke (Freie Universität Berlin) nach Ghana

 

Vom 18.-26. Oktober 2016 reiste Prof. Dr. Bea Lundt, die seit 2009 Kontakte mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen Westafrikas aufbaut und pflegt, gemeinsam mit dem Historiker und Geschichtsdidaktiker Prof. Dr. Martin Lücke von der FU Berlin und Nina Paarmann, M.Ed. und Doktorandin nach Ghana, um die bestehenden Kooperationen mit Universitäten Ghanas ab 2017 mit der FU Berlin weiterzuführen und konzeptionell auszuweiten.

 

 

Intention der Absprachen

 

Dabei soll insbesondere ein Austausch von Wissenschaftler*innen und Studierenden beider Länder in den Bereichen Forschung und Lehre stattfinden; einseitige Besuche deutscher Studierender und Wissenschaftler*innen nach Ghana sind, insbesondere durch die neuen Richtlinien und Forderungen der Agenda 2030 sowie der postcolonial studies, ohne Gegeneinladungen der Partner und Partnerinnen des Globalen Südens nicht länger tragbar. Deshalb wurde jetzt über ein Austauschprogramm verhandelt, bei dem Lehramts-Studierende in jedem Jahr aus Berlin nach Ghana reisen und von Ghana nach Berlin. Der Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung erschien soeben 2015 in der 2. Auflage, zum ersten Mal ist auch das Fach Geschichte repräsentiert. Die darin genannten Modelle für die „fachliche Umsetzung“ des Globalen Lernens bedürfen der Erweiterung, die in Kooperation mit Repräsentant*innen afrikanischer Länder erarbeitet werden muss. Dazu soll das Austauschprogramm beitragen.

 

Gespräche über entsprechende Pläne haben sowohl mit dem Office of International Affairs sowie dem Department of History der University of Education in Winneba (UEW) stattgefunden. Thematisch fokussiert werden sollen dabei die Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels, des Kolonialismus und des anti-kolonialen Widerstandes sowie deren Repräsentation in Universität, Schule und Öffentlichkeit.

 

 

UNESCO-Weltkulturerbe: Die Castles in Westafrika

 

Die europäischen Länder Portugal, Holland, Frankreich, Großbritannien,  Brandenburg-Preußen, Dänemark  und Schweden bauten seit dem 15. Jahrhundert entlang der westafrikanischen Küste Handelsniederlassungen und Forts, die bald auch dem Handel mit Sklaven dienten, an dem sich auch die einheimischen Chiefs beteiligten. Diese Gebäude wurden von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Einige dieser Burgen sind bis heute gut erhalten und dienen der Erinnerung an die Kolonialzeit. Das gilt vor allem für Cape Coast Castle, das ein Museum enthält und als Erinnerungsort mit Buchläden und anderen Geschäften ausgebaut wurde. Es dient auch als Ausstellungsraum für Künstler. Dort findet eine Führung nach der anderen durch die renovierten Gebäude statt. Direkt hinter der Burg befindet sich die Universität Cape Coast.

 

 

 

Vor allem Schulklassen besichtigen die Gebäude. Aber auch viele Amerikaner afrikanischer Abstammung suchen hier ihre Wurzeln. Auf die politische Bedeutung dieses Ortes wies vor allem auch der amerikanische Präsident Barack Obama hin, als er  zu Beginn seiner Regierungszeit das Castle besuchte.

 

Der Präsident mit seiner Frau Michelle und Tochter Malia beim Besuch von

Cape Coast Castle im Jahre 2009.

 

 

Durch eine  ‚Door of no return‘, wurden die Sklaven zu den Schiffen gebracht, die sie als Arbeitskräfte auf die Westindischen Inseln führten. Diese Pforte trägt von außen einen anderen Namen: sie wurde umbenannt in ‚Door of return‘ – ein aktiver Akt der erinnerungskulturellen Bewältigung der Vergangenheit. Direkt hinter dieser Tür liegt auch heute noch der lebendige Fischerhafen.

 

 

 

Nahe bei dem Castle befindet sich der ‚Viktoria-Park‘, in dessen Mitte eine Büste an die Herrschaftszeit durch die englische Königin Viktoria (1819 – 1901) erinnert, die das Leben im heutigen Ghana als der Kolonie ‚Gold Coast‘ prägte. Kinder spielen dort Fußball und direkt hinter dem idyllischen Park befinden sich Werkshallen und Bauruinen.

 

 

 

Menschenrechtserziehung an der University of Education Winneba (UEW) und in Berlin

 

An der ‚University of Education Winneba‘ in dem kleinen Fischerort Winneba, ca. 2 Stunden mit dem Auto von Cape Coast entfernt, ebenfalls an der Atlantikküste gelegen, findet vor allem die Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen statt.  Ein Master-Studiengang widmet sich dem Thema „Menschenrechte“.

 

Wir konnten an der feierlichen Eröffnung des neuen „Center for Conflict, Human Rights and Peace Studies“ teilnehmen. Die Public Lecture zum Thema „Importance of Conflict, Human Rights, and Peace Studies in Present Development Discourse“ hielt Dr. Colm Thomas O. Cuanachain, Senior Director, Office of the Secretary General, Amnesty International (St. Albans, Hertfordshire, Großbritannien).

 

Das Programm des neuen Centers findet sich auf dem flyer:

center-human-rights-2016

 

Die Homepage des Instituts der UEW finden Sie unter:

http://publications.uew.edu.gh/2015/galleries/public-lecture-conflict-human-rights-and-peace-studies

 

Angedacht ist eine gemeinsame Konferenz zum Thema ‚Human Rights Education‘ 2017. Denn hier treffen sich Interessen und Kompetenzen in besonders aktueller Weise.

 

Prof. Lücke hat soeben im Herbst 2016 ein Werk zu diesem Thema (mit)herausgegeben: „Handbook History Leraning and Human Rights Education“ und aus diesem Anlass ein internationales Symposion veranstaltet zum Thema: „Education for Change. Combining History Learning and Human Rights Education in Formal, Non-Formal and Higher Education“. Dabei wurde auch eine weitere Neuerscheinung präsentiert: „Crossing Borders. Combining Human Rights Education and History Education“.

 

Ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der ghanaischen Universität in Winneba und der Freien Universität Berlin ist in Vorbereitung.

 

 

Besuch der University of Ghana in Legon bei Accra (UG)

 

Weitere Gespräche über Kooperationen im Fach Geschichte gab es mit Kollegen und Kolleginnen der University of Ghana in Legon bei Accra (UG).

 

 

Prof. Lundt und Prof. Lücke vor dem Department of History

auf dem Campus der University of Ghana Legon.

 

 

Prof. Lundt und Prof. Lücke vor dem Department of History auf dem Campus der UG. Links auf der Tafel findet sich das Symbol des Sankofa. In der Tradition der Adinkra-Symbole verkörpert dieser Vogel das Fach Geschichte: „Blick zurück und begründe darauf Deine Gegenwart“. Das Symbol ist in Ghana allgegenwärtig und befindet sich auch auf vielen Gebrauchsgegenständen des Alltags. Auf der rechten Seite findet sich das Wappen der UG. Dieses zeigt ebenfalls eines der Adinkra Symbole: „Dwennimmen“ oder „The ram’s horns“ und steht für „Demut und Weisheit/ Stärke“. (Eine Übersicht der verbreitetsten Symbole sowie deren Bedeutungen und Ursprünge finden Sie, zusammengestellt von Valentina A. Tetteh, unter folgendem link: http://www.stlawu.edu/gallery/education/f/09textiles/adinkra_symbols.pdf)

 

An dieser Hochschule in der Hauptstadt Ghanas lehrte  auch der Soziologe Norbert Elias  (1897-1990) von 1962-1964 als Professor. Er hatte die Funktion des „Head of Department“ am Institut für Soziologie inne.

 

 

Das Foto zeigt Prof. Lücke zusammen mit Prof. Michael P.K.

Okyerefo, dem heutigen Head of Department of Sociology.

School of Social Sciences der Universität Legon.

 

Eine Tafel in dem Gebäude nennt die Namen der Leiter des Institutes seit 1948; darunter auch Norbert Elias. Prof. Okyerefo führte uns stolz zu dieser Übersicht und wies auf den Namen von Norbert Elias. Dieser habe ihn selber bei seinen Forschungen sehr beeinflusst, so berichtete er. Und sein Einfluss sei an der UG noch immer wirksam.

 

 

Bei den Repräsentant*innen deutscher Organisationen in Accra (Ghana)

 

Neben Kooperationsgesprächen mit den beiden Universitäten in Winneba und Legon besuchte die Delegation der FU auch Repräsentant*innen der deutschen Außen- und Kulturpolitik in Ghana: die Deutschen Botschaft, das Goethe Institut und den DAAD. Alle drei haben seit 2009 den Aufbau unserer Kooperationen unterstützt und eine Reihe von Projekten durch Finanzierungen ermöglicht.

 

Der deutsche Botschafter, Christoph Retzlaff, sowie die Referentin für Kultur, Wirtschaft und Presse, Gesine Spatz, informierten sich beim unserem Besuch über die aktuellen Entwicklungen unserer Projekte. Die Deutsche Botschaft hat bereits 2011 eine Tagung über den deutschen Kolonialismus in Westafrika in Ghana eröffnet und gefördert. Zudem finanzierte sie 2013 die Publikation der Erträge der Konferenz sowie 2015 ein Exkursions-Projekt mit Studierenden aus Togo, Flensburg und Winneba zu dem preußisch-brandenburgischen Fort „Groß Friedrichsburg“ zur Bearbeitung des Kolonialismus.

 

 

Das Foto zeigt Bea Lundt und Martin Lücke auf dem Innenhof

der deutschen Botschaft in Accra. l Foto: Nina Paarmann

 

 

Auf dem Programm stand auch ein Besuch im Goethe-Institut Accra. Es finanzierte 2012 eine Tagung, die in seinen Räumen stattfand sowie deren Publikation 2014. Außerdem gab es Gespräche mit der Repräsentantin des DAAD für Ghana, Berit Stoppa. Viele unserer Projekte der letzten Jahre waren DAAD-finanziert: so die Fact-Finding-Mission (FFM) nach Ghana 2009, die den Anstoß für alle weiteren Projekte gab. Außerdem die Gastprofessuren in Ghana von Prof. Lundt 2012 und 2013, die Gastprofessur von Prof. Ofosu-Kusi (Ghana) für drei Semester an der Europa-Universität Flensburg (2014-2015), verschiedene weitere Besuchsreisen zu Absprachen von afrikanischen Wissenschaftlern nach Deutschland und von deutschen nach Ghana, etwa auch eine weitere FFM zusammen mit Repräsentanten der Fachhochschule Flensburg 2014 sowie eine Vortragsreise (Prof. Lundt 2015). Seit 2010 wurden zudem jedes Jahr Schulpraktika von Lehramtsstudierenden aus Flensburg in Ghana durch eine Förderung aus dem PROMOS-Programm ermöglicht.

 

 

Deutscher Kolonialismus in Ghana

 

27. – 30.10. 2016: Tagung und Exkursion zum Thema des „Deutschen Kolonialismus in Ghana“ (Tagung in Accra sowie Exkursion nach Ho und Kpando in der Volta Region/ Ghana).

 

Eine Präsentation im Zusammenhang mit dem VW-Forschungsprojekt unter Leitung von Dr. Wazi Apoh, Archäologe an der University of Ghana Legon (Accra)

 

Dr. Wazi Apoh, Head of Department Archäologie an dieser Hochschule, gräbt seit Jahren deutsche Kolonialgebäude in der Volta-Region in Ghana aus und plant eine Präsentation der gefundenen Artefakte in Museen. 2013 wurde ihm in diesem Zusammenhang von der VW-Stiftung ein dreijähriges Forschungsprojekt aus dem Programm „Knowledge for Tomorrow. Postdoctoral Fellowships in the Humanities in Sub Saharan Africa and North Africa” bewilligt.  Angesichts der erfolgreichen Arbeit wurde dieses  2016 um zwei weitere Jahre verlängert. Prof. Lundt verfolgt und unterstützt seine Aktivitäten seit 2010. Anschlussprojekte bzw. ein Ausbau der bisher gewonnenen Ergebnisse sind angedacht.

 

Vom 27. – 31. Oktober 2016 wurden die Mentoren des Projektes von Dr. Wazi Apoh zu einer Tagung an der University of Ghana Legon eingeladen, auf welcher der aktuelle Stand des Projektes aufgezeigt und die Aktivitäten für die kommenden zwei Jahre vorgestellt wurden. Neben einer Fortsetzung der Ausgrabungen stehen zudem jetzt die historische Aufbereitung und erinnerungskulturelle Einordnung der Funde im Fokus. Ca. 20 Studierende nahmen mit großem Interesse an der Tagung teil. Auch eine der an den Ausgrabungen beteiligten Studierenden stellte Ergebnisse vor.

 

Auf diesem Foto: Dr. Wazi Apoh bei der Vorstellung seines VW-geförderten Projektes
an der University of Ghana Legon, Accra. Foto: Nina Paarmann

 

 

Auch eine seiner Studierenden im Projekt, Patricia Ayipay, stellte Ergebnisse ihrer Untersuchung über die Gedächtniskultur über die deutsche Kolonialzeit vor dem 1. Weltkrieg  in dem Ort Abutia vor.

 

Die Studierende Patricia Ayipay bei ihrer Präsentation.

Foto: Nina Paarmann

 

 

Die Koordination des VW-Projektes in Deutschland übernahm Prof. Dr. Sebastian Conrad von der Freien Universität (FU) Berlin. Die anderen Mentor*Innen in dem Projekt sind: Prof. Dr. Kodzo Gavua (University of Ghana Legon) sowie die Initiatorin Prof. Dr. Bea Lundt (Freie Universität Berlin, emeritierte Professorin an der Europa-Universität Flensburg) und Prof. Dr. Maria-Theresia Starzmann (New York). Nach der Projektvorstellung kommentierten die

Mentoren die Darstellung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Anschluss an die Tagung fand zudem eine Exkursion zu den Ausgrabungsstätten in der Volta-Region statt.

 

Bisher wurde das heutige Ghana in der Fachliteratur immer nur als ehemals englische Kolonie eingeordnet. Vergessen wird dabei etwa, dass die heute zu Ghana gehörende Volta-Region während der Kolonialzeit ein Teil des deutschen Schutzgebietes Togoland war, in dem vor allem Mitglieder der Ethnie der Ewe leben, die auch in dem benachbarten Teil von Ghana die dominante Bevölkerungsgruppe darstellen. Bei den Bewohnern der Region ist daher der deutsche Einfluss länderübergreifend noch sehr gegenwärtig. Es ist der Verdienst von Dr. Wazi Apoh, auf diesen Zusammenhang hingewiesen zu haben. Die Rekonstruktion der von Deutschen erbauten und inzwischen verfallenden Gebäude ist für die Erinnerungskultur der Menschen von großer Bedeutung.

 

 

 

*** Eine ausführliche Kommentierung der Exkursion wird in Kürze folgen. ***

 

 

Forschungsaufenthalt von Prof. Dr. Bea Lundt und Nina Paarmann, M.Ed. in Ghana

 

Thema: Was wissen und denken Westafrikaner*innen über Europa?

 

Prof. Dr. Bea Lundt erhebt seit 2013 empirische Quellen in Form von qualitativen Interviews mit Afrikanerinnen und Afrikanern. Interviews zu dem Themenkomplex „Was wissen und denken Westafrikaner*innen über Europa?“ wurden in drei Einzelaktionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt. Bei der ersten Interviewaktion 2014 wurden zunächst junge Studierende und andere junge Ghananer*innen befragt. Erste Ergebnisse der Erhebung wurden in einem Aufsatz von Prof. Dr. Yaw Ofosu-Kusi in dem Tagungsband „Global Perspectives on Europe. Critical Spotlights from five Continents“ (Bea Lundt/ Sophie Wulk Eds.) präsentiert. Bei einer ersten Auswertung im Gespräch mit dem Historiker Prof. Kofi Darkwah (Accra) regte dieser an, vergleichend ältere Lecturer ghanaischer Universitäten zu befragen. Diesem Vorschlag wurde bei einer 2. Interviewaktion 2015 entsprochen.

 

2016 ging es nun darum, ein aktuelles Thema miteinzubeziehen: die Flüchtlingsfrage.

 

Dieses Foto zeigt (v.l.): Justina Akansor, Prof. Dr. Bea Lundt, Jacob Oppong-Ankansah sowie Nancy Andoh. Alle drei sind Studierende im Fachbereich Social Studies an der UEW, Justina führt selber Seminare in Geschichte durch. l Foto: Nina Paarmann

 

Die Ergebnisse der Befragungen befinden sich zurzeit in der Auswertung – eine Publikation der Erträge aus den drei Befragungseinheiten  in Kooperation zwischen Bea Lundt und Yaw Ofosu-Kusi ist für 2017 geplant.

 

 

Geschlechterwelten Westafrikas – Dissertationsprojekt

 

Nina Paarmann reist seit 2011 als Studentin nach Westafrika. Sie absolvierte zunächst im Zuge ihres Studiums ein Schulpraktikum an einer Junior High School in Winneba. In den Folgejahren recherchierte sie für ihre Bachelor-Arbeit über „Frühkindliche Erziehung im internationalen Diskurs – am Beispiel Ghanas“. Soeben im Oktober 2016 hat sie ihre Master-Arbeit über „Geschlechterwelten Westafrikas – eine Analyse studentischer Selbstbilder“ fertiggestellt. Seit 2011 arbeitet sie zudem als studentische Hilfskraft in Frau Lundts Afrika-Projekten. Sie betreute drei Semester lang Prof. Yaw Ofosu-Kusi, den Gastprofessor aus Winneba, in Flensburg. Seit 2013 stellt sie diesen blog zusammen.

 

In einer empirischen Untersuchung im Herbst 2015 hat sie einen Quellenkorpus von Interviews mit 25 Studierenden- sowie acht Experteninterviews erhoben. Die Analyse anhand von sechs ausgewählten Fallbeispielen setzte sich mit den Selbst- und Fremdbildern sowie den verschiedenen zusammenwirkenden und sich überschneidenden Faktoren im Sinne der Intersektionalität der Gender-Konzepte auf das Leben als Mann oder Frau der Studierenden zwischen traditionellen-, kolonialen- und globalen Orientierungsebenen auseinander. Damit hat sie ihr Studium im Herbst 2016 erfolgreich abgeschlossen.

 

 

Nina Paarmann bei der Vorstellung ihrer

Forschungsergebnisse im März 2016.

 

 

Diese Arbeit soll ab 2017 zur Dissertation ausgebaut werden. Absprachen und Umsetzungsmöglichkeiten dieses – in Kooperation mit afrikanischen Wissenschaftler*innen und Studierenden angelegten – Projektes haben im Oktober und November 2016 bereits an den Universitäten Winneba und Accra in Ghana stattgefunden. Weitere empirische Erhebungen sind für das Frühjahr 2017 in Ghana angestrebt.

 

 

Schulprojekte – Besuch der Achimota-Schule

 

Wie in jedem Jahr diente die Ghanareise auch diesmal dazu, auch die Kontaktpartner und Repräsentanten*innen der ghanaischen Nkonyaman-Foundation for Educational Development zu besuchen und mit ihnen den Stand der Projekte zu besprechen, die in Kooperation zwischen ihnen und dem Verein „Cultural Diversity e.V.“ aus Flensburg/Berlin durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang fand am 06.11.2016 ein Besuch der Achimota-Schule bei Accra statt, um  Stipendiat*innen zu besuchen.

 

Viele der „African Leader“ wurden an dieser Schule, das als Internat aus kolonialer Tradition stammt, ausgebildet. Sie gilt als Eliteschule mit hohen Anforderungen an die Leistungen der Absolventen*innen. Die Aufnahmebedingungen setzen daher ein herausragendes Qualifikationsprofil voraus, das unabhängig von der sozialen Herkunft der Bewerber*innen ist. Die  University of Ghana in Legon bei Accra

 wurde erst später gegründet, um den Absolventen*innen der Internate aus kolonialer Tradition eine aufbauende Ausbildung zu ermöglichen.

 

Die Achimota-Schultracht besteht für die jungen Frauen in einem langen Kleid, das immer aus demselben bedruckten Stoff genäht wird. Verschiedene Farben kennzeichnen die Jahrgangs- und Altersstufen der Trägerinnen. Das Wappen der Schule zeigt eine stilisierte Klavier-Tastatur, die das Zusammenwirken von schwarzen und weißen Tasten zu einem harmonischen Klang symbolisieren soll. Zudem sind auch verschiedene Portraits der Gründer und der prominenten Leiter der Schule auf dem Stoff abgebildet.

 

Schülerinnen warten vor dem Tor an dem offiziellen Besuchstag der

Achimota-Schule auf Angehörige. l Foto: Nina Paarmann

 

Patricia Fordjor aus der kleinen Stadt Wurupong in der Volta-Region in Ghana bestand die Aufnahmeprüfung an der renommierten Eliteschule mit Internat aus kolonialer Tradition als eine der besten Kandidatinnen und wurde daher gerne an dieser Schule aufgenommen. Als Halb-Waise hatte sie sich durch ihre herausragenden Leistungen und ihre persönliche Notlage (es gibt noch einen jüngeren Bruder) für das Stipendium qualifiziert.

 

Die Stipendiatin  freute sich über den Besuch an ihrem ersten öffentlichen Besuchstag auf der neuen Schule und zeigte stolz und glücklich ihren Schlafplatz in dem Dormitorium mit ca. 50 Doppelstock-Betten. Jede der Schülerinnen und Schüler hat zudem ein eigenes abschließbares Fach für persönliche Habseligkeiten. Patricia  erhielt bei diesem Besuch ein Extra-Essen, ein Buch sowie ein Taschengeld, das entsprechend den strengen Normen der Schule begrenzt war.

 

Dieses Foto zeigt Prof. Dr. Bea Lundt und Dr. Kwadjoe Fordjor, den Repräsentanten der Nkonyaman-Foundation Accra, mit der Schülerin

Patricia im Hof für Besucher*innen von Schülerinnen der Achimota-Schule.

Foto: Nina Paarmann

 

 

(Text: Bea Lundt und Nina Paarmann)