Prof. Dr. Bea Lundt

Benin

 

September 2013:

 

Die Universität Abomey-Calavi in Benin (West-Afrika)

 

Die erste und größte Universität in dem westafrikanischen Land Benin ist Abomey-Calavi, gelegen bei Cotonou und Porto Novo, der Hauptstadt an der Atlantikküste. Es gibt eine zweite kleinere Universität in Parakou (im Norden des Landes). An der Hochschule Abomey-Calavi studieren zur Zeit 100.000 Studierende; die meisten stammen aus Benin, viele auch aus den Nachbarländern Togo, Niger, Burkina Faso. Der Campus ist weitläufig und viele Gebäude sind noch im Bau befindlich.

 



Auf diesen beiden Fotos sind zwei von zahlreichen Gebäuden der Universität Abomey-Calavi zu sehen.

 

Germanistik-Studium an der Universität Abomey-Calavi

Diese Universität hat eine große germanistische Fakultät. An dieser lehren 14 afrikanische Hochschullehrer aus Benin, davon sind 11 promoviert, von denen haben neun mehr als vier Jahre in Deutschland studiert. Sie beherrschen die deutsche Sprache fast perfekt und sind häufig auf internationalen Tagungen vertreten. Die Studierenden, die dieses Studium der Germanistik aufnehmen, haben mindestens drei Jahre Deutschunterricht an einem Gymnasium in Benin gehabt. Neben zahlreichen Landessprachen, die in den Familien dort gesprochen werden, ist Französisch, die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht, die offizielle Landessprache, auch wenn sie erst gelernt werden muss. In der Schule wird in dieser Sprache unterrichtet. Die erste Fremdsprache, die den Kindern vermittelt wird, ist Englisch. Deutsch und Spanisch sind im Angebot als die 2. Fremdsprache. Nach in der Regel mehreren Landessprachen, Französisch und Englisch ist sie aber mindestens die fünfte Sprache, die ein Beniner bzw. eine Beninerin erlernt. Da Grundkenntnisse der deutschen Sprache die Voraussetzung für ein Germanistik-Studium darstellen, können auch anspruchsvolle Literaturseminare angeboten werden, vor allem auch solche zur Verarbeitung der Kolonialzeit.

 

Dr. Constant Kparo Sarè, Vertreter des abwesenden Abteilungsleiters des Deutsch-Departments, freut sich über die Bücherspende des Cornelsen-Verlages, die wir bei unserem Besuch im Oktober 2013 mitbringen. Seine Dissertation über "Postkoloniale Erinnerungskultur in der zeitgenössischen deutschsprachigen Afrika-Literatur" erschien 2012 in deutscher Sprache. Das Foto zeigt Dr. Sarè und Prof. Bea Lundt bei dem Besuch von Vertretern der Universität Flensburg im Oktober 2013.


Auf dem Campus der Universität gibt es eine Rue d'Allemagne, ein Zeichen für die gute Kooperation zwischen den beiden Ländern.


In der Mensa wird das Essen auf offenem Feuer zubereitet und der auch in Ghana beliebte Banku, eine Art Kloß, wird hier frisch gestampft.

Unsere Kontaktperson Dr. Sinseignon Germain Sagbo

Seit 2012 bestehen bereits gute Forschungskontakte mit dem Germanisten Dr. Sinseingnon Germain Sagbo, der in Zürich und Göttingen studierte und dort 2011 promoviert wurde. Für seine Dissertation "Tradition und Entwicklungsprozesse in Benin", erschienen in Frankfurt/M. (Europäische Hochschulschriften bd.80), erhielt er 2012 den "Dr. Walther Liebehenz-Prize" for the best German Dissertation written by a non-native Speaker. Seit April 2012 ist er "Assistant Professor" an der Université d'Abomey-Calavi, Benin. Ab Februar 2014 wird der Germanist seine Stelle als Enseignant-Chercheur an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften antreten.

 

Dieses Foto zeigt Dr. Sinseignon Germain Sagbo.

Quidah, ein historischer Ort des Kolonialismus

 

Nahe der Universität Abomey-Calavi befindet sich an der Küste der Ort Quidah, der als einziger ehemaliger Hafen Benins vom 17.-19- Jahrhundert das Zentrum des westafrikanischen Sklavenhandels darstellte. Von dem zentralen Platz aus, der an diese Zeit erinnert, führt eine Route mit Gedenkstücken wie Statuen und Schrifttafeln durch verschiedene Orte bis zum Strand, an dem es (anders als im ghanaischen Cape Coast oder Elmina) keine Sklavenburgen mehr gibt, wohl aber verschiedene Baudenkmäler und Symbole, die eine aktive Auseinandersetzung mit der Sklaverei darstellen.

 

Quidah als spirituelles Zentrum

Quidah ist zugleich auch bis heute ein spirituelles Zentrum des Voodoo, der traditionellen afrikanischen Religiosität, die in Benin eine besondere Rolle spielt. Hier befindet sich ein heiliger Wald mit uralten Bäumen.

 

Im heiligen Wald in Quidah: Unser Kontaktpartner aus Benin, Dr. Sinseignon Sagbo, Germanist, Enseignant-Chercheur an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Abomey-Calavi, (Mitte), links Dr. Günter Rinke (Germanist) Universität Flensburg und rechts Prof. Dr. Bea Lundt (Historikerin) Universität Flensburg.

Der Wald ist mit Statuen zahlreicher Gottheiten ausgestattet. Als erste Gottheit nahe des Eingangs begegnet eine phallische Gestallt als Symbol für unerschütterliche Kraft und Stärke, die die Fortpflanzung der durch den Verlust der nach Westindien verschleppten Sklaven reduzierte Bevölkerung Westafrikas wieder regenerierte und erhielt.

 

Diese Statue symbolisiert die Kraft und Stärke durch Fortpflanzung und Vermehrung des eigenen Kulturkreises.


Die Erinnerungskultur an den Sklavenhandel in Quidah ist sehr lebendig und wird durch künstlerische Gestaltungen geprägt.
Hier der Torbogen, der den Küstenstreifen am Atlantik, von dem aus die Sklaven verschifft wurden, mit der Stadt Quidah verbindet.


Rund um den Platz herum, auf dem der Sklavenmarkt stattfand, haben Künstler Botschaften gestaltet.
Hier ein Text von Nicephore Soglo aus dem Jahre 1993, der durch eine Zeichnung ergänzt wird.


Auch dieses Monument, das im Jahre 2000 entstand, steht am Strand in Quidah.
Es symbolisiert die Hoffnung, die die Menschen in die christliche Botschaft setzen.

 

Hier eine modern-abstrakte Darstellung am Strand von Quidah, die sich mit dem Sklavenhandel auseinandersetzt.

Als Göttin wird die Python verehrt. Als Würgeschlange ist sie (anders als viele andere westafrikanische Schlangenarten) nicht durch ihre giftigen Bisse gefährlich. In einem eignen Rundbau (Tempel) befinden sich ca. 200 Schlangen, die aus religiösen Anlässen dort zusammengeführt werden.

 

Der Umgang mit der göttlichen Schlange ist noch etwas ungewohnt.
Dr. Günter Rinke in Gemeinschaft mit einer Python, die in Quidah verehrt wird.


Dieses Bild zeigt Prof. Dr. Bea Lundt, ebenfalls mit einer der als göttlich verehrten Pythons.