Prof. Dr. Bea Lundt

Forschungsprojekte Diese Seite informiert über die laufenden Forschungsprojekte von Prof. Dr. Bea Lundt.

    VW-Forschungsprojekt zum "Deutschen

    Kolonialismus in Ghana" (2013 - 2018)

  Buchprojekt: Narrationen und Wissenstransfer.

  Was Kinder und Studierende in Ghana über

  Europa denken.

 Buchprojekt für 2017: Polygame Lebensformen in

 Vergangenheit und Gegenwart - Europa und Afrika

  Konzept und Call-for-Papers

VW-Forschungsprojekt in Ghana 2016 um weitere 2 Jahre verlängert.

 

Die VW-Stiftung bewilligte im Juni 2013 ein dreijähriges Forschungsprojekt aus dem Programm „Knowledge for Tomorrow. Postdoctoral Fellowships in the Humanities in Sub Saharan Africa and North Africa.“

 

Leiter des Projektes ist Dr. Wazi Apoh (University of Ghana Legon bei Accra). Mentoren im Projekt sind Prof. Sebastian Conrad (Freie Universität Berlin), Prof. Kodzo Gavua (Ghana) sowie die Initiatorin Prof. Bea Lundt und Dr. Mariatheresia Starzmann.

 

Der Archäologe und Kulturanthropologe Dr. Wazi Apoh,  University of Ghana in Legon gräbt seit Jahren zusammen mit Prof. Kodzo Gavua (ebenfalls Legon) deutsche Kolonialbauten in der Volta-Region aus. In dem Projekt geht es um die Fortsetzung dieser Arbeiten sowie die erinnerungskulturelle Auswertung und Einordnung der Funde.

 

27. – 30.10. 2016: Tagung und Exkursion zum Thema des „Deutschen Kolonialismus in Ghana“

 

Vom 27. – 31. Oktober 2016 wurden die Mentoren des Projektes von Dr. Wazi Apoh zu einer Tagung an der University of Ghana Legon eingeladen, auf welcher der aktuelle Stand des Projektes aufgezeigt und die Aktivitäten für die kommenden zwei Jahre vorgestellt wurden. Neben einer Fortsetzung der Ausgrabungen stehen zudem jetzt die historische Aufbereitung und erinnerungskulturelle Einordnung der Funde im Fokus. Ca. 20 Studierende nahmen mit großem Interesse an der Tagung teil. Auch eine der an den Ausgrabungen beteiligten Studierenden stellte Ergebnisse vor.

 

Die MentorInnen des Projektes sind: Prof. Dr. Sebastian Conrad von der Freien Universität (FU) Berlin, Prof. Dr. Kodzo Gavua (University of Ghana Legon) sowie die Initiatorin Prof. Dr. Bea Lundt (Freie Universität Berlin, emeritierte Professorin an der Europa-Universität Flensburg) und Prof. Dr. Maria-Theresia Starzmann (New York). Nach der Projektvorstellung kommentierten die Mentoren die Darstellung. Sie nahmen an dem Event teil. Nach der Darstellung von Dr. Wazi Apoh kommentierten sie seine Ausführungen.

 

Exkursion nach Ho und Kpando in der Volta Region/ Ghana zur Besichtigung der deutschen Kolonialgebäude

 

Bisher wurde das heutige Ghana in der Fachliteratur immer nur als ehemals englische Kolonie eingeordnet. Vergessen wird dabei etwa, dass die heute zu Ghana gehörende Volta-Region während der Kolonialzeit ein Teil des deutschen Schutzgebietes Togoland war, in dem vor allem Mitglieder der Ethnie der Ewe leben, die auch in dem benachbarten Teil von Ghana die dominante Bevölkerungsgruppe darstellen. Bei den Bewohnern der Region ist daher der deutsche Einfluss länderübergreifend noch sehr gegenwärtig. Es ist der Verdienst von Dr. Wazi Apoh, auf diesen Zusammenhang hingewiesen zu haben. Die Rekonstruktion der von Deutschen erbauten und inzwischen verfallenden Gebäude ist für die Erinnerungskultur der Menschen von großer Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Text: Bea Lundt/ Nina Paarmann, Fotos: Nina Paarmann)

 

 

Was wissen und denken Westafrikaner*innen über Europa?

 

Prof. Dr. Bea Lundt erhebt seit 2013 empirische Quellen in Form von qualitativen Interviews mit Afrikanerinnen und Afrikanern. Interviews zu dem Themenkomplex „Was wissen und denken Westafrikaner*innen über Europa?“ wurden in drei Einzelaktionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt. Bei der ersten Interviewaktion 2014 wurden zunächst junge Studierende und andere junge Ghananer*innen befragt.

 

 

Erste Ergebnisse der Erhebung wurden in einem Aufsatz von Prof. Dr. Yaw Ofosu-Kusi in dem Tagungsband „Global Perspectives on Europe. Critical Spotlights from five Continents“ (Bea Lundt/ Sophie Wulk Eds.) präsentiert. Bei einer ersten Auswertung im Gespräch mit dem Historiker Prof. Kofi Darkwah (Accra) regte dieser an, vergleichend ältere Lecturer ghanaischer Universitäten zu befragen. Diesem Vorschlag wurde bei einer 2. Interviewaktion 2015 entsprochen.

 

2016 ging es nun darum, ein aktuelles Thema miteinzubeziehen: die Flüchtlingsfrage.

 

 

Dieses Foto zeigt (v.l.): Justina Akansor, Prof. Dr. Bea Lundt, Jacob Oppong-Ankansah sowie Nancy Andoh. Alle drei sind Studierende im Fachbereich Social Studies an der UEW, Justina führt selber Seminare in Geschichte durch. l Foto: Nina Paarmann

Buchprojekt für 2017:

Polygame Lebensformen in Vergangenheit und Gegenwart - Europa und Afrika

 

Konzept und Call-for-Papers:

 

In den aktuellen Auseinandersetzungen über Flüchtlinge in Europa und die „Fremdheit“ ihrer Kulturen gegenüber einer oft einheitlich gedachten Kultur des christlichen „Westens“ spielt die Frage nach den Lebensformen eine große Rolle. Denn viele Ethnien in Afrika und Asien leben in polygamen Familienstrukturen. In der Selbstdarstellung des Westens aber wird diese Lebensform mit großer Entschiedenheit zurückgewiesen, ja verboten. In der sehr emotional geführten Debatte wird oft vergessen, dass es auch in Europa vielfältige polygame Lebensverhältnisse gegeben hat. Die kritische Diskussion um solche Orientierungen haben die Jahrhunderte begleitet. Eine zumindest sukzessive Polygamie ist bis heute durchaus üblich; mit dem weiterhin steigenden Lebensalter und säkularisierenden Vorstellungen der Bevölkerung gegenüber der spirituellen Bedeutung der monogamen Ehe nimmt sie noch zu. Ohnehin handelt es sich um ein höchst komplexes Phänomen.

 

Was ist mit Polygamie gemeint? Der Aspekt des „poly bezieht sich in in der Regel auf mehrere (Sexual)- Partnerinnen eines Mannes, wobei die vertragliche/rechtliche Sicherung einer solchen Beziehung und die Definition ihrer Dauer kulturspezifisch unterschiedlich geregelt sein kann. Oft ist die Polygamie mit einer matrilinearen Erbfolge verbunden. Auch gegenüber dieser Tradition gibt es in Europa Vorurteile, die oft mit einer Verwechslung von Matrilinearität mit einem „Matriarchat“ zusammenhängen, einer mythifizierten „Weiberherrschaft“ in einer weit zurückliegenden Vergangenheit. Ausgangspunkt für diesen Band war daher die Diss. des Historikers Henry Kam Kah aus Kamerun über seine matrilineare Ethnie der Laimbwe und ihre Elastizität und Überlebenskraft in nachkolonialer Zeit (erschienen 2015). Er wird daher auch Mitherausgeber sein und vor allem den Afrikateil betreuen.

 

Der geplante Sammelband sollte zur Versachlichung der Diskussion beitragen, indem die Vielfalt polygamer Lebensverhältnisse dargestellt wird und die ges ellschaftlichen Zusammenhänge von Familienstruktur, ökonomischen Bedingungen, kulturellen Repräsentationen sowie religiöser Legitimation dieser Lebensweise aufgezeigt werden. Die historische Genderforschung beharrt seit langem auf einem „intersektionalen“ Konzept:

der Faktor Geschlecht wird demnach in seiner Überschneidung verschiedener Aspekte aufgezeigt. Am Thema „Polygamie“ ist diese Verbindung von unterschiedlichen Faktoren besonders gut nachzuverfolgen. Das Phänomen wird multitdisziplinär angegangen (bisher beteiligt: Geschichte, Ethnologie, Rechtsgeschichte, Soziologie, Religionswissenschaft, Psychoanalyse, Afrikanistik).

 

Um die Traditionsstränge deutlich herauszuarbeiten, wird der Europa-Teil chronologisch von der Antike in die Gegenwart führen. Für den Afrika-Teil gibt es eine Reihe von Einzelaspekten bzw. sollten verschiedene  2 Fallbeispiele zusammengetragen werden. Dabei werden insbesondere auch die Auseinandersetzungen mit den christlichen Missionaren behandelt werden. Eine Erweiterung um die Polygamie im Islam ist angestrebt, doch sind die bisherigen Angebote für Beiträge um Europa und das christlich beeinflusste Afrika zentriert.