Prof. Dr. Bea Lundt

Ghana

 

Im Jahre 2008 beantragte ich beim DAAD eine Fact-Finding-Mission (FFM) nach Ghana. Ich lud vier Kollegen der Uni Flensburg dazu ein, mitzufahren. Wir wollten vor Ort erkunden, welche Möglichkeiten der Kooperation mit Hochschulen des westafrikanischen Landes es gebe. Wir besuchten die vier großen Universitäten des Landes: die University of Ghana in Legon bei Accra, die Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi, die University of Cape Coast (UCC) sowie die University of Education in Winneba (UEW). Mit allen vier Universitäten verbinden uns inzwischen Verträge  der Kooperationen, sog. "Memoranda of Understanding" (MOUs). In jedem Jahr finden lebhafte Kontakte statt.

 

Zur Geschichte der Hochschulbildung in Ghana

 

Am Anfang war die Achimota-Schule

Die University of Ghana in Legon bei Accra

Die Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi

Die University of Cape Coast (UCC)

Die University of Education Winneba (UEW)

 

Am Anfang war die Achimota-Schule

 

Die englische Kolonialmacht gründete 1924 nahe der Hauptstadt Accra die Achimota-Schule als Sekundarschule. Sie wurde nach britischem Modell betrieben, als Internat eingerichtet und verstand sich als eine Art Eliteschule für das Land. Es ergab sich bald die Notwendigkeit, für die Absolventinnen und Absolventen dieser Schule, die ihre Ausbildung mit einem dem "Abitur" vergleichbaren Abschluss machten, der sie zum Hochschulstudium qualifizierte, eine Universität zu gründen. So entwickelte sich aus der Achimota-Sekundarschule im Jahre 1937 ein College, das zunächst für die Ausbildung vor allem von Lehrern und Lehrerinnen für die Schulen der Kolonialherren und Missionare gedacht war.

 

Der folgende Link leitet auf die offizielle Website der Achimota-Schule weiter:

 

http://www.achimota.edu.gh

 

Das Bild zeit die Achimota-Schule nahe der Landeshauptstadt Accra

An der Achimota-Schule wurde bis 2012 auch Deutsch unterrichtet. Ein Praktikant der Universität Flensburg hat daher dort 2011 sein sechswöchiges Schulpraktikum absolviert. Bei der Pensionierung der einzigen Deutsch-Lehrerin verlor die Schule auch ihren Status als PASCH-Schule in dem weltweiten Netzwerk der Bundesregierung, das ausgewählten Schulen im Ausland ein Besuchsprogramm bietet (PASCH-Schulen- Partner der Zukunft).

 

https://www.pasch-net.de/par/deindex.htm

 

Die University of Ghana in Legon bei Accra

Aus der Achimota-Schule entwickelte sich auch eine Hochschule. Die University of Ghana in Legon bei Accra ist die älteste Hochschule Ghanas. Sie wurde 1948 als "University College of the Gold Coast" gegründet. Die britische Kolonialmacht hatte eine Kommission durch Westafrika geschickt, die prüfen sollte, ob und wo Hochschulen eingerichtet werden sollten. Eigentlich war geplant, die erste Universität in der nigerianischen Stadt Ibadan zu gründen. Sie sollte für die beiden englischen Kolonien gelten. Doch führte der Protest in Accra zum Erfolg, sodass ein Jahr nach der Gründung der Universität Ibadan auch Accra, Hauptstadt der britischen Kolonie "Gold Coast", eine Hochschule erhielt. Diese war mit der Universität in London assoziiert.

 

Die Homepage der Universität Legon ist zu finden unter:

 

http://www.ug.edu.gh/

 

Zu sehen auf diesem Foto: die University of Ghana, Legon bei Accra



Dieses Bild zeigt ebenfalls ein Gebäude der University of Ghana, Legon

Wesentlich älter ist das "Forah Bay College", die älteste Universität Westafrikas. Sie wurde 1827 in Sierra Leone gegründet und einige Jahre später der britischen Universität Durham angegliedert.

 

1957 erlangte die Goldküste als erste Kolonie in Afrika südlich der Sahara die Unabhängigkeit; unter Dr. Kwame Nkrumah, dem ersten Präsidenten der jungen Republik, die sich den Namen "Ghana" gab, wurde die allgemeine Schulpflicht für alle Kinder eingeführt.  Bis zum Alter von 15 Jahren sollten alle Kinder kostenlos beschult werden, Vorschulerziehung, sechs Jahre Grundschule sowie eine drei-jährige Sekundarschulzeit (Junior Secondary School). Es schließt sich wiederrum eine drei-jährige Phase an für diejenigen, die an einer Hochschule studieren wollen. Sie besuchen die Senior Secondary School (vergleichbar unserer gymnasialen Oberstufe).

 

1960 wurde das College zur Universität ernannt. der erste "Chancellor of the University" wurde Nkrumah. "University of Ghana" wurde die Hochschule getauft. Auf Nkrumah gehen die "African Studies" zurück, die für alle Studierenden verpflichtend sind. Die Universität expandierte rasch und viele zentrale Gestalten der afrikanischen Länder sind aus ihr hervorgegangen. Es sind derzeit ca. 30.000 Studierende eingeschrieben, ein Viertel davon ist weiblich. Weit über 1.000 der Studentinnen und Studenten kommen aus anderen Ländern.

 

Die Kooperation der Universität Flensburg bezieht sich vor allem auf Kollegen und Kolleginnen im Bereich der Fächer Geschichte, Geographie, Archäologie, African Studies, Erzählforschung, Gender Studies.

 

Ein Forschungsprojekt verbindet mich mit Dr. Wazi Apoh, Archäologe und Kulturanthropologe, der zusammen mit Dr. Kodzo Gavua seit Jahren deutsche Kolonialgebäude in der Volta-Region ausgräbt. Mit ihnen zusammen veranstaltete ich 2011 in Winneba (Ghana) eine internationale Tagung über deutschen Kolonialismus in West-Afrika, deren Erträge 2013 in einem Band erschienen sind, den ich zusammen mit Wazi Apoh herausgab.

 

Dr. Wazi Apoh, University of Ghana, bei seinen archäologischen Arbeiten zur Freilegung

von Relikten deutscher Kolonialgebäude in der Voltaregion mit seinen Studierenden.


Der Tagungsband zum Thema Deutscher Kolonialismus in West-Afrika (2013).


Die Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi

 

Ebenfalls auf die Achimota-Schule führt auch die Universität in Kumasi ihre Anfänge zurück. 1951, also unter der Ägide der Kolonialmacht, entstand das "Kumasi College of Technology", aus dem die Technische Hochschule entstand. 1961 erhielt sie ihren Hochschulstatus.

 

Hier gelangen Sie zur Website der KNUST:

 

http://www.knust.edu.gh/

 

Das Bild zeigt eine der Technologischen Fakultäten der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi.

Die Universität Flensburg kooperiert seit Jahrzenten mit der KNUST und es haben schon viele der Studierenden der KNUST den SESAM-Studiengang an der Uni Flensburg besucht, heute "Master of Engineering in Energy and Environmental Management in Developing Countries" am Internationalen Institut für Management und Ökonomische Bildung der Universität Flensburg:

 

http://iim.uni-flensburg.de/index.php?id=3642

 

Spezielle Alumni-Programme haben sich angeschlossen.

 

Die Fact-Finding-Mission nach Ghana im Jahre 2009 verfolgte daher primär das Ziel, diese bisherigen Kooperationen im technologischen Bereich auf die Lehramtsausbildung auszudehnen.

 

Die University of Cape Coast (UCC)

 

Die englische Kolonialmacht benötigte afrikanische Lehrer und Lehrerinnen für die Schulen, die von Missionaren und Kolonialbeamten betrieben wurden. So wurde bereits ein Jahr nach dem Lehrerkolleg in Kumasi 1962 eine weitere Stätte für Lehrerausbildung in Cape Coast gegründet. Sie erhielt 1971 ihre Anerkennung als Universität und umfasst inzwischen acht Fakultäten. Die UCC ist direkt an der Küste des Atlantiks gelegen in unmittelbarer Nähe der Sklavenburgen Cape Coast Castle und Elmina Castle.  Es studieren dort 17.000 Vollzeitstudierende, weitere 20.000 machen ein Fernstudium. Die UCC unterhält auch ein "Center for International Education".

 

Die offizielle Internetseite der UCC:

 

http://www.ucc.edu.gh/

 

Zu sehen ist auf diesem Foto das Eingangstor zum Campus der University of Cape Coast.

 

Das Bild zeigt eines zahlreicher Gebäude der direkt an der Atlantikküste gelegenen Universität von Cape Coast.

Unsere Kooperationen betreffen vor allem die Kulturwissenschaften, darunter die Fächer Geschichte, Religion, Musikethnologie und Pädagogik. Im Jahre 2013 absolvieren Studierende aus Flensburg erstmalig auch ihr Schulpraktikum in ausgewiesenen Campusschulen der UCC, die ebenfalls auch die Betreuung der Praktikanten vor Ort übernehmen wird.

 

Die University of Education Winneba (UEW)

 

Zur Entlastung der Universität Cape Coast wurde auch in dem kleinen Nachbarort Winneba 1992 eine Hochschule gegründet, die auf Lehramtsausbildung spezialisiert ist, die University of Education Winneba (UEW). In Winneba befand sich das marxistisch ausgerichtete Ideologische Institut des Präsidenten Kwame Nkrumah. Der Campus der Universität ist auf drei verschiedene Teile der Stadt verteilt. Seit das Land Ghana vor einigen Jahren entschied, alle Lehramtsausbildung müsse akademisch sein, erfüllt die UEW eine Schlüsselfunktion auch für Nachschulungen der bisher nicht-akademisch ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer in Ghana (Distance Education). Es wurden Campi in anderen Städten gegründet, von denen aus Aufbaukurse stattfinden. Die Zahl der Studierenden ist daher in den letzten Jahren ungeheuer expandiert und wird mit ca. 50.000 angegeben, da alle in solchen Kursen befindlichen Personen dazugerechnet werden.

 

Folgender Link leitet auf die Homepage der UEW weiter:

 

http://www.uew.edu.gh/

 

Zu sehen ist auf diesem Bild das Eingangstor zum Südcampus der University of Education in Winneba.

 

Das Bild zeigt das Hauptgebäude auf dem Nordcampus der University of Education Winneba.

 

Wie an allen Universitäten Ghanas kann nach vier Jahren Regel-Studium ein Bachelor-Abschluss erworben werden, dem nach weiteren zwei Jahren ein Master-Examen folgt. Eine Promotion kann sich anschließen.

 

Die Kooperation mit der UEW steht im Zentrum unserer Aktivitäten seit 2009. Jedes Jahr absolvieren 12-16 Lehramts-Studierende der Uni Flensburg in Betreuung durch Vertreter der UEW ihr Schulpraktikum, einige von ihnen unterrichten in der Ausbildungsschule "University Practical South". Auf dem Campus der UEW recherchieren die Studierenden der Universität Flensburg über die Ausbildungssituation in ihren Fächern an der westafrikanischen Partneruniversität.

 

Die Universität Flensburg unterstützt den Aufbau eines Deutsch-Departments an der UEW. Seit sich bei der Fact-Finding-Mission 2009 ein großes Interesse an der UEW zeigte, Deutsch zu lernen, betreiben DAAD und Goethe-Institut dort Sprachkurse für Studierende. Die UEW will sich auf neue Sprachen spezialisieren und baut zur Zeit einen Sprachcampus aus. In jedem Jahr bringen wir Unterrichtsmaterial für das neue Institut mit und bieten eine Info-Veranstaltung für Studierende, die von ca. 80-100 Studierenden der UEW besucht wird.

 

Ich selber habe im Fach Geschichte an der UEW in den Jahren 2011 und 2012 eine Gastprofessur (DAAD-gefördert) für etwa 4-6 Wochen wahrgenommen. 2011 veranstaltete ich eine internationale Tagung an der UEW zum Thema Deutsche Kolonialismus in West-Afrika.

 

Die Kooperation mit der UEW führte auch zu Besuchen und Gastvorträgen von Wissenschaftlern der UEW an der Universität Flensburg.

 

Im Jahre 2013-2014 unterrichtet Prof. Dr. Yaw Ofosu-Kusi, Ökonom und Sozialwissenschaftler und Direktor des International Office der UEW als Gastprofessor (DAAD) an der Universität Flensburg. Durch seine Anwesenheit in Flensburg kann die Vorbereitung der diesjährigen Ghana-Gruppe von Lehramtsstudierenden in Kooperation mit einem Ghanaer erfolgen. Herr Dr. Ofosu-Kusi wird die Gruppe unserer Uni auch in ihrer Praktikumsphase begleiten und eine Abschlusstagung organisieren, bei der die Erfahrungen der deutschen Studierenden und der afrikanischen Betreuer, Mentoren und Hochschullehrer ausgewertet werden sollen.

 

Weitere Forschungen und Tagungen mit ihm gemeinsam sind in Vorbereitung.